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Verlagern sich die modernen sozialen Proteste weltweit in die Mittelschicht?

WOLFGANG KRAUSHAAR: Ja. Das hat man bei der Arabellion gesehen, bei der Occupy-Bewegung oder bei den Protesten in Russland Ende 2011. Wir haben es vermehrt mit einem Aufstand der Ausgebildeten, der jungen aufstrebenden Mittelschicht zu tun und nicht mehr mit einem Aufstand der Armen, wie man ihn noch von den "Brotpreisrevolten" in Nordafrika gekannt hat.

Auch in Deutschland?

KRAUSHAAR: Im Fall etwa von Stuttgart 21 natürlich weniger, da waren ja zwei Drittel der Demonstranten zwischen 40 und 70 Jahre alt. Und in Deutschland haben wir auch nicht solche Probleme wie viele andere Länder - beispielsweise mit der Jugendarbeitslosigkeit. Aber auch hierzulande sieht man diese jungen, gut Ausgebildeten auf der Straße, etwa bei den Occupy- oder Blockupy-Protesten.

Woher rührt der Unmut der "Ausgebildeten"?

KRAUSHAAR: Die Motive sind nicht immer einheitlich. In der Türkei zum Beispiel gehen die Proteste nur von einem Teil der jungen Mittelschicht aus, nämlich von den liberal eingestellten, die Angst haben vor einer Islamisierung des Landes. Oft wenden sich die Proteste aber wie bei der Occupy-Bewegung oder in Spanien und Griechenland gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft, gegen Folgen neoliberaler Finanzmärkte und fordern ein Stück Normalität.

"Music from the revolution"

Cairokee ft Aida El Ayouby Ya El Medan

كايروكي و عايده الايوبي  

KRAUSHAAR: Ein normales Leben mit der Gründung einer Familie und sicherem Einkommen. Viele glauben, die Chance auf ein solch beständiges Leben verloren zu haben, weil sie trotz guter Ausbildung keinen Job finden oder hyperflexibel sein müssen, wenn sie eine Stelle erhalten, dank befristeter Verträge und teils schlechter Entlohnung sich nicht mehr trauen, eine Familie zu gründen.

Die Demonstranten tauschen sich intensiv über das Internet aus. Beeinflussen sich die Bewegungen untereinander?

KRAUSHAAR: Absolut. Die Initiatoren von Occupy Wall Street haben in ihrem ersten Protestaufruf 2011 davon gesprochen, dass es darum gehen müsse, an der Wall Street einen Tahrir-Moment wie in Ägypten zu organisieren. In der Türkei gibt es Occupy-Gezi-Gruppen und in Brasilien verweisen manche wiederum auf die Proteste in Istanbul.

Wie schaffen es diese Proteste, immer wieder so viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?

KRAUSHAAR: Einmal durch die Vernetzung per Internet. Vor allem aber auch Dank der Ordnungskräfte. Aus Occupy wurde erst eine Massenbewegung, als etwa 750 Demonstranten in New York festgenommen wurden, weil sie den Bürgersteig verlassen hatten und auf der Fahrbahn protestieren wollten. Genauso wenig hätte in der Türkei die Bewegung diesen Zulauf erhalten, wenn die Polizei nicht so hart im Gezi-Park durchgegriffen hätte. Diese überzogenen Reaktionen befördern erst eine breite Solidarität mit den Demonstrierenden.

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Das Motiv des Aufruhrs in arabischen Staaten ist offenkundig. Bildung, das Aufstiegsversprechen für die Mittelschicht, hat sich dramatisch in ein Armutsrisiko verwandelt. In Marokko, Tunesien und Ägypten ist die Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolventen doppelt so hoch wie im Durchschnitt. Das Modell, dass ein Diplom einen Job im Staatsdienst garantiert, ist perdu. Das ist die Folie der Arabellion. Lange gab es im Westen alarmistische Warnungen vor der demografischen Bombe, die bald in der Region detonieren wird, vor Millionen frustrierten, perspektivlosen, aggressiven Jungmännern von Casablanca bis Jemen. Das Wunder der Arabellion ist, dass die Frustrierten immun gegen autoritäre Lösungen waren und den größten Demokratieschub in der Region seit der Entkolonisierung in Gang setzten. Man sollte das Staunen darüber nicht zu schnell verlieren.     

Auffällig war, dass sich die Textur des Protests in Madrid wie in Kairo ähnelte. Den Kern der Revolte bildeten hier wie dort neben den Armen die enttäuschten Kinder des Bürgertums, die studiert hatten und nun arbeitslos waren, in Praktikum-Warteschleifen festhingen oder jobbten, ohne Aussicht auf Besserung. Die Welt, schreibt Wolfgang Kraushaar, „hat einen Aufruhr der Ausgebildeten erlebt“. Dies war (oder ist?) die erste globale Protestbewegung, seit Studenten 1968 in Paris, Berlin und Tokio aufbegehrten. So sieht es aus, aber es ist etwas komplizierter.

Mahmoud Esseily - Eisha Helwa 2012 | 2012 محمود العسيلى - عيشة

 Übersetzung TEXT:

people want a good life
 their dignity rights and their rights to live.
people want a free country
“free” of the inside injustice before the outside one.
I feel that there’s a smell of freedom in the air
I see dreams in sight
I see people that fought and won.